Hundewandertag 2007

Artikel der Münsterschen Zeitung vom 29. August 2007:

25 Hunde, 25 Kilometer

Eine Wanderung entlang der Werse von Albersloh nach Handorf

Handorf- Das Fußbad im Handorfer Brunnen musste sein. Denn sonst hätte Frieda nicht ins Hotel gedurft. Nach diesem Marsch aber hatte Frieda ihre Nachtruhe dringend nötig.

Nicht nur sie. Frieda ist mit 24 anderen Hunden und über 30 Menschen den Werse-Wanderweg entlang gelaufen. Von Albersloh nach Handorf. 25 Kilometer weit. Teilweise durch große Pfützen und tiefen Matsch. Frieda ist eine Briard-Hündin. Zusammen mit Frauchen Karin nahm sie an der von Jürgen Sievers zum dritten Mal organisierten Hundewanderung teil. Jürgen betreibt eine Hundeschule in Sendenhorst und bezeichnet diese Wanderungen als "echtes Event". Er übertreibt nicht. 25 Kilometer? "Die Hunde schaffen das locker", sagt Jürgen, "die Menschen nicht immer".

Es ist kurz nach neun, als die Gruppe in Albersloh aufbricht. Nach wenigen Metern kommen die Leinen ab. Kleine Kabbeleien zwischen einigen Rüden, die Sache ist aber schnell geklärt. "Die müssen erst mal ihre Position im Rudel klar machen", sagt Jürgen. "Diesmal ging das aber sehr easy ab".        In der Tat. Danilo, ein Shih Tzu (chinesischer Tempelhund), der mit gerade einmal 20 Zentimetern Schulterhöhe kleinste Teilnehmer, läuft friedlich neben dem Mischling Bruno (68 Zentimeter). Malteser-Rüde Sam lässt sich von den Rottweilern Baffi, Gismo und Franziska nicht einschüchtern. Auch Amigo nicht, der kleine Terrier-Mischling von Uli. Jeder Hund weiß, wo Frauchen oder Herrchen gerade sind. Kommen Radfahrer oder Jogger entgegen, setzen sich alle brav an den Wegesrand. Gelernt ist gelernt.

10.25 Uhr, die erste Pause. Jürgens Mitarbeiter Horst hat den Geländewagen mit Anhänger, mit dem Gepäck und Verpflegung für Mensch und Hund tranportiert werden, auf einer Brücke geparkt. Kaffee und Obst für die Zweibeiner, Wasser für die Vierbeiner. Später werden Jürgen und Horst, die sich im Begleitfahrzeug abwecheln, auch müde gewordene Wanderer mitnehmen.

Dann geht's weiter. Die nächste Rast nach gut acht Kilometern ist an einem Maisfeld zwischen Hiltrup und Wolbeck, ein paar hundert Meter vor der Hiltruper Straße. Hier finden die ersten Kaltgetränke dankbare Abnehmer, Jürgens Gartenstühle sind schnell belegt. Mechthild packt derweil ein Fläschchen Prosecco aus. "Der muss jetzt weg, ich will den ja nicht noch weiter schleppen!".

Die Sonne hat mittlerweile die letzten Nebelschwaden vertrieben, es wird warm. Baffi und Gismo sind die ersten, die sich in die Werse stürzen. "Rottis brauchen das", sagt Herrchen Jörg. "Die können nämlich keine Hitze ab". Auch andere Hunde gehen baden. Nur Frieda darf nicht. "Wenn ich sie da rein lasse, kommt sie erst an der Pleistermühle wieder raus", sagt Karin lachend. In Angelmodde führt der Weg durchs Dorf. Passanten bleiben staunend stehen. "Guck mal, so viele Hunde", sagt ein kleiner Junge. "Bestimmt eine Hundeschule", meint Mama. Andere mutmaßen, da sei irgendwo ein Tierheim aufgelöst worden.

Essen auf Rädern

12.45 Uhr. Die Wiese am Sportplatz es SC Gremmendorf hat Jürgen für die Mittagsrast ausgesucht. "Wir sind zu schnell", sagt der Hundetrainer. Und ruft seine Frau Doro an. Die bringt 10 Minuten später das Essen: Salate, Frikadellen, Baguette. Nach einer Stunde macht sich die Gruppe wieder auf den Weg. Weiter die Werse entlang. Bis zur Münsterstraße bleiben die Hunde angeleint. "Hier liegen häufig präparierte Köder rum", erzählt Horst, "Fleischbällchen mit Rasierklingen". Die Empörung ist groß. "Wer sowas macht, sollte die Dinger selbst essen müssen", sagt Anke. An der Pleistermühle erzählt Karin von ihrem Betriebsausflug mit der gynäkologischen Abteilung ihres Krankenhauses. Man habe eine Kanutour gemacht, ein Boot kenterte: "Plötzlich war die ganze Geburtshilfe weg!".

Auf dem nächsten Stück wird's matschig. "Nicht ziehen!" ruft Petra. Sie hat Angst, dass ihr Australian Shepherd Dakota durchstartet und sie im Schlamm landet. Ralf trägt seinen weißen Sammy kurzerhand durch die Pfützen. Kurz vor vier, Gasthaus Nobis Krug an der Warendorfer Straße: Das längste Stück ist geschafft, die vorletzte Pause wohlverdient. Manch einer mag gar nicht mehr aufstehen. Muss er aber. Nach zehn Minuten geht's weiter nach Handorf. Wieder durch tiefen Schlamm. Friedas Pfoten, gerade wieder einigermaßen sauber geworden, sind wieder grauschwarz. Wie Frauchens Schuhe. Der Brunnen vor der Handorfer Sparkasse kommt da gerade recht. "Sonst hätte ich mir einen Schlauch besorgen müssen", sagt Karin.

"Wir sind tierlieb"

Nach einem Zwischenstopp im Wersehof erreichen die Wanderer kurz nach sechs das Hotel Wersetürmken. Hier übernachtet Jürgen mit seinen Wandergruppen regelmäßig. Kein Problem für das sympathische Mitarbeiter-Team des Drei-Sterne-Hotels. "Wir sind hier sehr tierlieb", sagt Kathrin Göttlich. Wegen des benachbarten Pferdezentrums habe man ohnehin viele Gäste mit Hunden. Aber gleich 25 auf einmal? "Das macht nix, die benehmen sich ja so toll! Wir haben bislang nur gute Erfahrungen gemacht, keine Beschwerden bekommen", so die Hotel-Mitarbeiterin. Jürgen wird's freuen. Im nächsten Jahr kommt er nämlich wieder. Mit 25 Hunden. Mindestens.


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